Hier weht der Wind extrem sportlich: Strandsegeln kann jeder lernen

Es gibt Sportarten, die kann man einfach am Besten an der Nordseeküste machen. Da, wo der Wind immer kräftig weht und wo menschenleere Sandstrände sich kilometerlang von West nach Ost erstrecken. Diese spezielle Kombination findet man in Deutschland fast nirgendwo besser als auf den Ostfriesischen Inseln. So wundert es nicht, dass hier das Strandsegeln eine Heimat gefunden hat. Auf Borkum, der westlichsten aller Ostfriesischen Inseln, hat sich vor einem Jahr die Land- und Strandsegelschule World of Wind niedergelassen. Denn am Nordstrand des Hochsee-Eilandes ist ein Revier, das sich äußerst gut für die flächenmäßig anspruchsvolle Disziplin eignet.

„Borkum ist eines der schönsten Kite- und Strandsegelreviere in Europa. Mit seinem weitläufigen Strand bietet er beste Bedingungen zum Strandsegeln, Kitebuggyfahren und Kitelandboarden“, erläutert Chris John, Gründer und Geschäftsführer der Schule. Als das örtliche Tourimusmanagement vor zwei Jahren an den erfahrenen Lehrer mit der Frage herantrat, ob er nicht eine Schule auf Borkum aufmachen wolle, war der Entschluss schnell gefasst, sich auf der Nordsee-Insel niederzulassen.

Seine Heimat hat World of Wind aber an einem ganz ungewöhnlichen Ort: mitten im Ruhrgebiet! Auf einer 60.000 Quadratmeter großen Wiesenfläche am Kemander See im nordrhein-westfälischen Witten hat 2008 alles mal mit einer Kitebuggy-Schule angefangen. Knapp zehn Jahre später ist World of Wind der einzige Anbieter in ganz Deutschland, der vom klassischen Strandsegeln bis über die jugendlich trendigen Drachensportarten wie das Kitebuggy, das Kindlandboarding sowie das Powerkiten alles rund um Windsportarten an Land und Strand anbietet.

Zu dem besonderen Angebot der Borkumer World of Wind-Schule gehört das Strandsegeln für Personen mit Handicap. Rollstuhlfahrer oder alle, die nicht mehr gut zu Fuß sind, können sich hier dem Geschwindigkeitsrausch hingeben, eine Freiheit und Mobilität genießen, die sonst vielleicht im Alltag nicht mehr möglich ist.

Für Jonas Maikemper aus Essen war diese Möglichkeit ein Lichtblick nach schweren sieben Monaten, die der Sechzehnjährige hinter sich hat. Über Nacht war der junge Mann, vermutlich durch eine Virusinfektion, am linken Bein bis zum Bauchmuskel gelähmt. Ein Schock für ihn und seine Eltern. Das Strandsegeln auf Borkum gibt ihm nun eine neue Leichtigkeit des Seins. In kurzer Zeit hat er sich vom Schnupperkurs zum Grundkurs vorgearbeitet und macht nun sogar den Pilotenschein. Zu verdanken hat er diese glücklichen Momente auch Justin Oldenbürger, dem Stationsleiter der Borkumer World of Wind-Schule, der ihn von Anfang an bis zur abschließenden Prüfung betreut.

Handicapwagen
So geht das Strandsegeln auch mit Handicap.

Normalerweise segeln Menschen mit Handicap im Beiwagen mit Trainer. Das war bei Jonas nach ein paar Testfahrten nicht nötig: Er kann sein gelähmtes Bein zwar nicht mehr bewegen, aber mit der Kraft seiner Bauchmuskeln steuern. So geht es jetzt sogar allein und ohne Beiwagen. Der Strandsegelkurs auf Borkum gibt ihm neues Selbstvertrauen, macht Mut auch die eigene Zukunft mit Handicap selbst steuern zu können. Da wird selbst die trockene Theorie zum Spaß.

Denn auch die gehört dazu, wenn man den Pilotenschein der FISLY erwerben will. Das ist die Abkürzung für Federation International de Sand – and Landyachting, dem 1962 gegründeten Verband der Land- und Strandsegler. Seit 2008 gibt es sogar Weltmeisterschaften in der Disziplin, die alle vier Jahre ausgetragen werden. Die letzten waren 2014 in Smith Creek Playa, Nevada, USA. Große Segler kommen bei viel Wind und glattem Boden schon mal auf eine Geschwindigkeit von 140 Km/h. Da ist es im Zweifelsfall lebensrettend, die wichtigen Checks vor jedem Start mit einem Strandsegler zu kennen.

Strandsegeln kann im Prinzip jeder lernen. Auch im Theoriekurs von Oldenbürger sitzen alle Altersklassen, von ganz jung bis fit gebliebene Erwachsene jeden Alters, und studieren die Lehrhefte des Verbandes für Strandsegelaspiranten, machen sich vertraut mit den unterschiedlichen Segelklassen, den Segelgrößen und -flächen, den Vorfahrtsregeln, auch dem „Manöver des letzten Augenblicks“. Nur Frauen sind in dem schnellen Sport noch etwas unterrepräsentiert. Das gilt insbesondere für die kräftemäßig etwas anspruchsvolleren Kite-Disziplinen, wo nur etwa zehn Prozent der Aktiven weiblich sind. So ist die junge Sarah Iseke, ebenfalls Trainerin auf der Station und absolut begeistert vom Kitebuggy, ein „ganz seltenes Exemplar“. Gelernt hat die Bochumerin die Kunst beim Chef persönlich, der nicht nur das Strandsegeln, sondern auch das Kitebuggy-Fahren mit dem Drachen beherrscht und gerne weitergibt.

Chris John Kitebuggy
Chris John auf dem Kitebuggy

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Die World of Wind-Schule auf Borkum ist täglich während der Saison, von Mitte März bis Ende Oktober, geöffnet. Informationen, Kontakt und Lageplan finden sich auf http://www.worldofwind.de.
Wer nicht gleich den Pilotenschein machen will, kann es einfach mal ausprobieren. Auch Firmenevents sind im Angebot. Die Preise gliedern sich wie folgt:
Strandsegeln: Schnupperkurs (3 Std.) 99,- Euro / Grundkurs (6 Std.) 198,- Euro
Strandsegeln für Personen mit Handicap: (3 Std.): 159,- Euro
Kitebuggy: Schnupperkurs (2 Std.) 89,- Euro
Kitelandboarden: Schnupperkurs (3 Std.) 99,- Euro
Powerkiten: (2 Std.) 69,- Euro
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